Ganztagskita = Kinderaufbewahrung?

Oh, jetzt mache ich mich mal weiter unbeliebt. Für mich ist eine Kinderbetreuung in der Kita nach 12/13 Uhr mittags reine Aufbewahrung, damit Eltern arbeiten oder ihrem Leben nachgehen können. Kann man ja machen, das muss jeder selbst entscheiden. Aber die Begründung, es wäre gut für die Kinder sollte man sich dann ehrlichkeitshalber sparen. Gut ist es nämlich nicht.

8-12 Uhr Kitazeit ist für viele Kinder eine gute Sache. Sie kommen zu Hause raus, sehen Freunde, erleben was, können an Angeboten und Aktivitäten teilnehmen, gehen vielleicht in die Natur, in den Wald oder auf den Spielplatz. Das ergibt je nach Kind und Alter wirklich Sinn.

Gegen Mittag werden allerdings die meisten Kinder, egal welchen Alters müde. Das geht uns Erwachsenen ja auch so. Der Input reicht, sie sind fertig und würden jetzt auch eigentlich gern nach Hause gehen, würde sie denn jemals einer fragen. Die Kleinen gehen schlafen, die Großen spielen ruhig, und spätestens ab 15 Uhr wartet jedes verbliebene Kind einfach nur noch, dass endlich die Eltern kommen und es erlösen, manchmal 2 Stunden lang. Ja, der Morgen war vielleicht sehr schön, aber jetzt ist es einfach mehr als genug. Viel zu viel für ein kleines Kind, das jetzt einfach auch Ruhe braucht, weg von dem ganzen Trubel. Den ganzen Tag mit so vielen anderen Kindern zusammen zu sein ist anstrengend und auch sehr laut. Da geht es Kindern ja nicht anders als uns selbst. 8 Stunden mit vielen Menschen in einem Raum, dass ist nunmal stressig.

Das Beispiel, dass die Kinder dann gerne weglaufen, wenn die Eltern kommen ist nicht etwa der Beleg, dass sie noch dableiben wollen. Im Gegenteil, meistens wollen die Kinder jetzt einfach den Spieß umdrehen. Ich musste sooo lange auf dich warten und JETZT wartest du eben auf mich. Jetzt komme ich auch nicht.

So endet dieser sowieso schon beschissen lange Nachmittag nicht selten dann auch noch mit Tränen, einem Machtkampf und der „Drohung“: Wenn du jetzt noch nicht willst, dann komme ich morgen ne Stunde später! Ja, es ist leider nicht alles so, wie es scheint. Manchmal verstehen sich Eltern und Kinder eben falsch. Kinder gehen vielleicht gern in die Kita, aber einfach nicht so lange. Und wer kennt sie nicht, die tränenreichen Abholsituationen, weil die Kinder eben einfach fertig sind. Sie haben keine Geduld mehr und wollen auch nicht mehr reden.

Wir müssen arbeiten! Für mich keine ausreichende Antwort!

Müssen tut man gar nichts. Es gibt einfach nur Prioritäten im Leben und Kinder sollten doch eigentlich eine Priorität sein, oder?

Erwachsene entscheiden selbst, wann sie wie viel arbeiten, wie viel Geld sie zum leben brauchen, ob sie Kinder möchten… Klar, wenn das Haus gebaut ist, muss es auch bezahlt werden. So läuft es meistens, nur, ist es das dann auch wert, dass vielleicht keine Zeit mehr bleibt, weder für die Kinder, noch für einen selbst?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, welchen Preis er zahlen kann und will! Manchmal ist der Preis vielleicht einfach zu hoch!

Ich möchte nur mal zum Nachdenken anregen. Diese ganzen Zwänge, von denen wir da immer sprechen, haben wir uns in der Regel selbst auferlegt. Wir haben etwas entschieden. Wir wollten etwas, weil es uns wichtig war.

Natürlich gibt es Armut, Arbeitslosigkeit usw., aber hier gibt es staatliche Hilfen, mit denen man natürlich auch keinen großen Wurf machen kann, es sind eben Nothilfen, aber es gibt sie.

Aber abseits hiervon entscheidet jeder Erwachsene selbst. Und da muss ich schon mal nachfragen: Wie oft und wie teuer muss der Urlaub jedes Jahr sein? Wie teuer das Auto und wie groß das Haus? Und dann kann doch jeder schnell erkennen, dass er das selbst so entschieden hat.

Aus meiner Erfahrung heraus sind es nämlich in der Regel Besserverdienende, und eben nicht die Geringverdiener und Alleinerziehenden, die die längsten Betreuungszeiten nutzen. Komischerweise regeln die das trotz ihrer finanziellen Situation irgendwie anders?! Es ist einfach eine Frage des Wollens, will ich Zeit mit meinem Kind verbringen oder eben nicht?

Sollte ich eine Kitaempfehlung abgeben, wäre meine Antwort immer Waldkindergarten. Die Betreuungszeit ist hier immer nur halbtags, und selbst der allerschlechteste Waldkindergarten bringt dem Kind mehr, als eine Regelkita. Die Kinder sind draussen, lernen und leben mit der Natur, haben viel Bewegung und ein gutes Immunsystem, besser gehts nicht. Und die Erzieher sind normalerweise motiviert, weil wer keinen Bock hat, der ist nicht auch noch den ganzen Arbeitstag im Wald unterwegs!

Kinder brauchen keine materiellen Dinge, sie brauchen Zeit und Zuwendung!

In diesem Sinne,

alle Liebe,

Tanja.