Gefühle auflösen

Hinweis:

Im folgenden Artikel geht es darum, wie Du selbständig angestaute Gefühle lösen kannst. Ich spreche hier von Themen des Alltags. Wenn Du tiefer gehende Probleme in Dir spürst, verbunden mit größeren Schwierigkeiten im Alltag, solltest Du Dir erst mal eine geeignete Begleitung (therapeutisch/ärztlich) suchen und nicht selbstständig daran arbeiten. Begleitend kannst Du dann später selbständig weitermachen.

Meine Tipps richten sich allgemein an Menschen, die schon einige Erfahrung auf dem Gebiet haben, im Alltag stabil sind und sich gut einschätzen können.

 

Antranias / Pixabay

-Karabiner öffnen. Die Spannung lösen-

 

Manch einer kennt es vielleicht aus dem medizinischen Bereich, aus der Physiotherapie: Das Arbeiten mit Triggerpunkten. Schmerzpunkte werden mit Fingerdruck behandelt. Ich mache das auch oft selbst an mir, wenn es irgendwo zwickt.

Der Hauptschmerzpunkt wird durch Abtasten gefunden und dann fest gedrückt, bis der Schmerz nachlässt. Zu Beginn ist der Schmerz am heftigsten, manchmal zum ohnmächtig werden. Je länger man den Punkt aber drückt, umso mehr lässt der Schmerz nach. Das Gewebe entspannt sich mehr und mehr, das kann man direkt spüren, bis es locker und nicht mehr schmerzhaft ist.

Mir ist heute nochmal die Parallele zu seelischen Triggerpunkten bewusst geworden. Da funktioniert es nämlich genauso. Und Du kannst es Dir so vielleicht einfacher vorstellen.

In der Verhaltenstherapie ist das die Konfrontationstherapie. Der z.B. angstauslösende Reiz wird so lange ausgehalten, bis die Spannung im Körper nachlässt. Genau darin liegt das Problem. Durch das Aushalten entsteht manchmal noch mehr Druck. Er wird nicht abgebaut, da noch ein negativer Zustand des „Ertragens“ vorliegt.

Der bessere Weg ist ein Anderer: Ganz entscheidend ist die innere Haltung, wenn ich z.B. meine Gefühle lösen will. Ich muss sie annehmen lernen. Angst, Trauer, Wut, alle negativen Gefühle. Ich darf nicht dagegen kämpfen. Ich versuche, sie nicht mehr negativ zu bewerten. Einfach ein Gefühl…

Wenn ich gegen die Gefühle kämpfe, sie nicht fühlen will (auch wenn das normal ist), dann werden sie stärker. Ich gebe ihnen Nahrung. Spannung gegen Spannung, die immer weiter wächst.

 

Das Lösen der Anspannung hingegen  funktioniert so:

Ein Gefühl taucht auf, überfällt mich quasi, und ich laufe nicht weg, sondern lasse es da sein. Dafür ist es nötig, mich voll darauf zu konzentrieren, d.h. ich muss allein sein, mich hinsetzen oder hinlegen, die Augen schließen, und ruhig atmen. Das Gefühl da sein lassen, es beobachten. Ich darf mich nicht mit dem Gefühl identifizieren. Ich „bin nicht“ das Gefühl. Das ist reine Übungssache. Ich sehe das Gefühl einfach als „Überbleibsel“ aus der Vergangenheit. Es gehört hier nicht mehr hin. Es taucht auf, um endlich erlöst zu werden.

Auch wenn sich das kurz sehr, sehr unangenehm anfühlen kann. Es wird vergehen. Das Gefühl, das innere Kind, möchte gesehen und angenommen werden. Dann löst sich der Schmerz auf, das Gefühl verschwindet, die im Körper angestaute Energie fliest ab. Es fühlt sich ruhig und friedlich an.

Du  kannst dann spüren, wie sich immer mehr Ruhe und „innere Weite“ einstellt. Genauso, als würde sich ein vorher verkrampfter Muskel wieder lockern. Er wird weich. Du kannst auch im Körper nachspüren, wo die Anspannung sitzt, sie beobachten, atmen, akzeptieren, bis sie sich auflösen kann. Das Gefühl verändert sich durch Deine Beobachtung. Dir kommt vielleicht ein Gedanke oder ein Bild in den Sinn. Auf einmal kannst Du einen Zusammenhang erkennen, warum Du Dich so gefühlt hast. Es ist dann vielleicht gar kein Problem mehr. Das Gefühl hat sich in eine Erkenntnis verwandelt. Oder es wollte gesehen werden und löst sich schließlich ganz auf.

Und hier genau liegt die Parallele. Du musst so lange ruhig und konzentriert atmen, das Gefühl „liebevoll umarmen“ bis sich wirklich die Ruhe einstellt. Bis der angetriggerte Schmerz nachlässt. Wenn Du aufhörst, und es ist noch viel Anspannung vorhanden, dann löst sich das Gefühl nicht vollständig und flackert dann meist in der nächsten auslösenden Situation wieder auf (wird angetriggert). Dann heißt es wieder hinlegen, atmen, loslassen, macht aber auch nix. Bei tiefergehenden Themen kann es aber auch häufiger nötig sein, die schon länger im Körper angestaute Energie zu „er“lösen. Immer in kleinen Etappen so zu sagen.

 

Wenn Du möchtest, kannst Du es gern ausprobieren.

Ich wünsche Dir viel Erfolg,

Tanja.

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